Warum wir so gerne in den sozialen Medien über Alpinunfällen diskutieren…

Der Alpinunfall in den Sozialen Medien © argonautpro | alpinonline

..und warum das nicht immer eine gute Idee ist.

Eine „Diskussion“ entwickelt in den sozialen Medien gern eine ganz eigene Dynamik – vor allem der Alpin- bzw. Lawinenunfälle. Einmal gestartet, dreht sich die Spirale der Empörungen der Kommentare schnell weiter. Im schlimmsten Fall entwickelt sie sich zum Shitstorm.

Mann und Frau sind empört.

Warum diskutieren viele Privatpersonen so gerne in den sozialen Medien? Warum empören vor allem Alpinunfälle und provozieren zu Meinungsäußerungen? Wann und wodurch entstehen diese Shitstorm-ähnlichen Dynamiken? Und was ist überhaupt ein Shitstorm?

Von der Diskussion zum Shitstorm

Ein Shitstorm entsteht, wenn viele Menschen sich bemüßigt fühlen, zu einem Thema negative Kommentare zu posten, entsprechende Posts zu teilen oder zu liken. Unabhängig davon, ob das gerechtfertigt ist oder nicht. Vielleicht sogar mit einer positiv gemeinten Intuition. Die Algorithmen der sozialen Medien verstärken negative Meldungen, Emotionen & Konflikte, indem sie entsprechenden Beiträgen mehr Reichweite verleihen und sie verstärkt ausspielen.

Um einen Shitstorm aufzulösen, bedarf es einer professionellen Strategie. Achtung: Nicht jede Debatte ist gleich ein Shitstorm. Eine „angeheizte“ Diskussion, bei der kontrovers und hitzig argumentiert wird, kann für Medien oder Firmen sogar die erwünschten Klicks & Reichweite bringen – und Klicks sind bekanntlich Geld. Erst wenn sich die Kritik lawinenartig verbreitet, Beleidigungen überwiegen und keine sachliche Auseinandersetzung mehr möglich ist, spricht man von einem Shitstorm.

Gerade im Zusammenhang mit (Alpin-)Unfällen fühlen sich viele eingeladen, in der Rolle der Retter der Moral die Ursache und den Schuldigen zu finden – wie in einem Krimi. Egal, ob sie über Fachwissen verfügen oder nicht.

Was sollte ich als Privatperson bedenken, wenn ich zu einem Unfallereignis poste?

Abgesehen von der Frage, warum sich Privatpersonen in diese Dynamik überhaupt einreihen sollen, gilt es, vor dem Absetzen eines Kommentars, vor dem Teilen oder Liken folgende Dinge zu bedenken:

  • Können die angeführten Fakten stimmen?

Kann das, was behauptet wird, zum jetzigen Zeitpunkt stimmen? Bei allen Unfallereignissen dauert es seine Zeit, bis die Frage des Verschuldens geklärt ist – und das dauert in der Regel mehr als ein paar Stunden.

  • Geht es in der Diskussion noch um das eigentliche Thema?

Emotionale Diskussionen driften gern mal ab und es wird gar nicht mehr über das eigentliche Thema diskutiert. So kommt bei Alpinunfällen schnell das Thema der (Eigen-)Gefährdung der Bergretter ins Spiel, was mit dem eigentlichen Unfallgeschehen jedoch nichts zu tun hat.

  • Wird objektiv oder emotional-subjektiv berichtet & diskutiert?

Gerne werden schon in der Berichterstattung Klischees bedient, noch mehr aber in den Diskussionen – Küchenphilosophie sticht hier Fachwissen und Wahrheit aus. Mit Details, wie der Information über das Herkunftsland der Opfer, das für den Unfallhergang nicht relevant ist, wird das Bild beim Leser gefärbt.

  • Halte ich mit meinem Post & Kommentar (medien)ethische & juristische Grenzen ein?

Man postet immer öffentlich. Daher sollten Kommentare auch professionell gehalten werden. Hierzu gehört, medien-/ethische & juristische Grenzen zu respektieren und einzuhalten. Würde ich das, was ich hier poste, Opfern oder Familienangehörigen auch ins Gesicht sagen?

  • Was ist meine Motivation für das Absetzen eines Beitrags?

Wird eine Diskussion entfacht, sollte man sich kurz fragen, wer mit welcher Motivation den Beitrag verfasst hat. Und warum ich als Privatperson noch unbedingt meinen Kommentar hinzufügen muss.

ACHTUNG: Wie so Vieles in den sozialen Medien ist auch dieser Beitrag eine verkürzte und unvollständige Version von „Der Alpinunfall in den sozialen Medien“.