Wie Lawinengefahr effektiv kommuniziert werden kann.

In meinem Beitrag „Shitstorm Heaven – Willkommen in der alpinen Empörungs-Community“ in bergundsteigen #108 beschäftigte ich mich mit den Dynamiken, die aufgrund unzureichender oder teilweise falscher Informationen zu großen sozial-medialen Empörungen führen können; sie zeigte dies am Beispiel des Lawinen-Themas auf. Soziale Medien haben aber auch viele Vorteile gegenüber herkömmlicher Kommunikation. In diesem Beitrag stellt sie solche Best-Practice-Beispiele im alpinen Bereich vor. 

Soziale Medien unterstützen international die Informationskommunikation und beeinflussen Risikoentscheidungen

Lawinenlageberichte sind eigentlich die Spaßbremsen schlechthin! Ermahnen sie uns doch mit erhobenem Zeigefinger – täglich. Sie sagen uns, dass wir irgendetwas NICHT tun sollen (Achtung Lawine!), aber nicht, wie wir uns stattdessen verhalten sollen oder dürfen, um einen guten Skitourentag im Gelände zu erleben – denn das wollen wir eigentlich (und auch noch gute Fotos). Dazu müssen wir uns schon selbst den oft sehr komplexen, fachsprachlichen (für Profis!) und überregionalen Lawinenlagebericht übersetzen und mit Gelände, lokalen Bedingungen etc. abgleichen.

Dass dies nicht immer funktioniert, hat uns der letzte Winter gezeigt – Empörung über Menschen, die anscheinend kopflos ins Gelände fahren. Doch möglicherweise wissen bestimmte Zielgruppen mit Begriffen wie Lawinenwarnstufen, Lawinengefahren, Lawinenlageberichten nichts anzufangen. Dazu kommt, dass auch in Werbung und Tourismus der „Pow“ mehr als beliebtes Fotomotiv und Zugpferd für Buchungen denn als Gefahr transportiert wird. Abgesehen davon: negative Kommunikation (Du darfst nicht!) funktioniert auch in den sozialen Medien schlechter als positive (Mach das!).

Informationen wie den Lawinenlagebericht für bestimmte (Risiko-)Zielgruppen zu übersetzen und diese über soziale Medien besser zu erreichen –, das waren u.a. Themen beim ISSW 2018.

Die vorgestellten Projekte stoßen mit spezifischen, relevanten, positiven Posts sowie einem Mehrwert zum Erreichen des eigentlichen Ziels (Ziel: Lawinen vermeiden; Mehrwert: gute Abfahrt) auf eine große Akzeptanz. Schnell viele zu erreichen – das kann funktionieren, v.a. wenn man bestimmte Zielgruppen ansprechen will und diesen nicht nur Lesestoff gibt, sondern auch eine gewisse Informationskultur vermittelt. 

Für soziale Medien adaptierte, positive und fachlich richtige Posts können Leser lenken und tragen zur Wissensvermittlung über Lawinengefahren, die Auswahl des richtigen Geländes bei. Sie ermöglichen es aber auch, die Erlebnisse des Einzelnen aufzuwerten – also jeden ein bisschen mehr „(Social) Hero“ sein zu lassen. 

Inhaltsübersicht

Soziale Medien & ihr positive Funktionen im Bergsport

  • Allgemeine Vorteile Sozialer Medien
  • Postings können aktuelle Informationen zu lokalen Verhältnissen lieferen
  • Posts haben Einfluss auf Verhaltensweisen beim Bergsteigen
  • Die Risikobereitschaft erhöht sich durch die Social-Media-Positionierung bzw. durch die Vergleich(barkeit) mit anderen
  • Soziale Medien für die (Digital-)Peer-Group-Kommunikation nützen
  • Filterblasen mit fehlenden Informationen füllen
  • Nachrichten werden nicht gelesen, sondern geschient – veränderte Informationsgestaltung: Bild-Kurztext in der Sprache der Zielgruppe.

Erfolgreiche Projekte zur zielgruppengerechten Ansprache über Social Media

  • Show, don’t tell
  • Ausgangslage
  • Ablauf
    • Beschreibung des eigentlichen Problems
    • Defining the audience
    • Strategie erarbeiten
    • Ziel des Projektes
  • Konkreter Ablauf
  • Saalbach-Hinterglemm: Lokaler Lawinenlagebericht (Lo.La)

Drei Faktoren für eine optimale Kommunikation

  1. Den Berg zum Propheten tragen
  2. Digital-Peer-Groups und deren Kommunikationsverhalten nützen, um Informationen zu verbreiten.
  3. Due Informationsgestaltung an das Kommunikationsverhalten anpassen

Konklusio

  • How to become a hero?
  • Informieren statt bewerten
    Übersetzen statt schimpfen
  • Soziale Medien stellen eine Chance dar!
  • Wir können Werteverhalten beeinflussen

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