Glasstelen in Kals – Über den Großglockner

Großglockner, Glasstelen in Kals I alpinonline

3 Glasstelen in Kals am Großglockner erzählen vom höchsten Berg Österreichs und erinnern an die Verunfallten. 2009 wurden am Friedhof in Kals am Großglockner drei Glasstelen erstellt, bedruckt mit der Historie der Glocknerbesteigung und allen Namen der am Berg tödlich Verunfallten. Diese Monumente sollen erzählen und erinnern.

„Manche Ungeschicke am Berg erinnern uns daran, daß die Stunde des Abrufs aus dieser Welt nicht in unserer Macht liegt. Alle Unglücke am Berg können uns nicht die Hoffnung rauben, daß das letzte Wort der große Barmherzige hat.“

Reinhold Stecher, Text für die Gedenkstätte in Kals

Die Gedenkstätte ist eine Schnittstelle zwischen Berg und Tal, Religion und Alpinismus, Leben und Tod, zwischen meist selbstgewähltem Abenteuer und unfreiwilligem Ende. Ein Ort der Trauer und Mystik, ein Ort der Erinnerungen und Bilder.

Durch die folgenden Erklärungen und Zitaten soll der Großglockner als Berg und seine Geschichte fassbarer, Motive und Motivationen für die Besteigung nachvollziehbarer, Gefahren und Risiken anschaulicher gemacht werden. Es soll kein Ort der Beurteilung, sondern ein Ort des Verstehens und Erinnerns sein.

„Das Vergangen-sein ist auch noch eine Weise des Seins, vielleicht sogar die sicherste, denn nichts und niemand kann es rückgängig machen, kann es ungeschehen machen, kann es aus der Welt schaffen – in seinem Vergangen-sein ist es geborgen, ist es aufbewahrt und vor der Vergänglichkeit bewahrt.“

Viktor E. Frankl in „Bergerlebnis und Sinneserfahrung“ 

„Die Berge aber ruhen über dieser unstet treibenden Welt. Ihre Konturen sind immer dieselben geblieben – für den Steinzeitjäger, den römischen Legionär, den Pilger des Hochmittelalters und Herrn Schultze mit Familie auf dem Campingplatz.“

Reinhold Stecher, 2009

Über Quantität und Qualität am Glockner

Einheimische Bergführer über Unfälle und Gefahren am Glockner

Der Großglockner stellt nicht nur ein Mysterium in seiner Anziehungskraft auf Bergsteiger dar, sondern auch bei den Mutmaßungen über das Unfallgeschehen. Weit verbreitet ist die Meinung, dass die hohe Besteigungsfrequenz die Ursache für Unfälle sei. Einheimische Bergführer, die jahrelang das Geschehen am Berg beobachten, sind anderer Meinung.

Nicht die Quantität, sondern die Qualität sei ein beobachtbares Problem. An den wenigen hoch frequentierten Tagen am Großglockner sei keine signifikante Relation zwischen der Anzahl der Bergsteiger zur Unfallhäufigkeit zu erkennen. Vielmehr sind es qualitative Faktoren wie schlechte Sicherungstechniken, geringe Erfahrung oder zu wenig eingeholte Informationen über Wetter und Tourenverhältnisse, die zum Verhängnis werden können.

„Der Berg ist wie jeder andere auch! Den typischen Glocknerunfall gibt es nicht.“ Auch am Glockner sind Unfälle ein komplexes Zusammenspiel von ungünstigen Faktoren und dürfen weder vereinfacht noch verallgemeinert werden.

Insgesamt sind sich die drei Kalser Bergführer einig, dass am höchsten Berg Österreichs immer weniger passiert und das nicht zuletzt dank des immer besseren Eigenkönnens der Bergsteiger.

Peter Tembler, Bergführer und Hüttenwirt der Erzherzog-Johann Hütte

Johann Gratz, Leiter der Bergrettungsstelle Kals

Toni Gliber, Kalser Bergführer

„Dann habe ich erfahren, dass je mehr Personen zugleich den Glockner besteigen, desto langsamer die Überschreitung der kritischen Stellen vor sich gehe. So viele Köpfe, so viele Sinne.“ 

Dionys Stur, slowakischer Geologe, 1855

„Für uns Bergführer, und das gilt gleichermaßen auch für unsere Gäste, wird immer der Berg das Ziel sein, in diesem Fall wohl der prächtige Großglockner.
Mögen unsere jungen, alpinen Nachfolger das Gleiche anstreben.“

Peter Habeler, österreichischer Extrembergsteiger

Motive und Motivationen für das Bergsteigen und für die Glocknerbesteigung

„Ohne Ausrichtung auf Ideale kann der Mensch, kann die Menschheit nicht überleben.“

Viktor E. Frankl, Begründer der Logotherapie und Bergführer des Alpenvereins Donauland, in „Bergerlebnis und Sinneserfahrung“

Der Großglockner zieht jährlich unzählige Bergsteiger und Wanderer an. Neben den klassischen Glockner-Alpinisten steigt auch die Zahl an Trekkern, die die mystische Kraftquelle des Berges erfahren wollen.

„Unvergleichlich und einzigartig steht der Großglockner über allen umliegenden Gipfeln. Nicht die alles überragende Höhe und seine majestätische Gestalt ist es, die ihn zu einem Symbol für Bergsteiger macht. Es ist vielmehr die unglaubliche Faszination, ein unbegreifliches Mysterium, das von ihm ausstrahlt und das die Menschen aus aller Herren Länder förmlich magnetisch anzieht. Jeder begeisterte Alpinist möchte einmal in seinem Leben unter dem berühmten Glocknerkreuz stehen und den unbeschreiblichen Rund- und Tiefblick genießen. Gerade dieser Gipfel ist ein heißersehntes Ziel und die Erfüllung so mancher Jugendträume.“ 

Peter Ponholzer, Obmann der Kalser Bergführer

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